Matthäus 2,1-12 - Die Weisen und die antike Globalisierung

 

1 Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Mi 5,1): 6 »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« 7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. 9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11 und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

 

Lutherbibel 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft

 

„Wie ideologisch überzogen können deutsche Christen nur reagieren? Weil eine Figur der Heiligen Drei Könige schwarze Farbe und wulstige Lippen hat, soll sie rassistisch geprägt sein. In der Bibel ist die Figur des Melchior eindeutig als schwarz beziehungsweise farbig gekennzeichnet.“ Das schrieb Walter Ziegler aus Schweinfurt im Oktober 2020 in einem Leserbrief an die „Main-Post“. Anlass war die Debatte darüber, dass die Kirchengemeinde des Ulmer Münsters beschlossen hatte, zum Weihnachtsfest 2020 die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige von Martin Scheible aus dem Jahr 1920 nicht aufzustellen.

 

Dem Beschluss war eine Debatte über die rassistisch verzerrte Darstellung Melchiors durch den Künstler vorausgegangen. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl begründete die Entscheidung so: „Wir wollen dieses Bild eines schwarzhäutigen Menschen nicht länger transportieren.“ Die Figur mit wulstigen Lippen und Federschmuck sei „voller Klischees und grotesk überzeichnet“. Die Kirchengemeinde bemühte sich, Missverständnissen vorzubeugen: „Natürlich darf und muss es schwarze Menschen an der Krippe geben. Die Idee, dass die Völkerwelt vereint an der Krippe steht, ist nach wie vor ein wichtiger und uns berührender Gedanke.“

 

Auch wurde darauf hingewiesen, dass Heiligabend 2020 im Dom die Weihnachtsgeschichte nach Lukas erzählt werde, und da gebe es keine Heiligen Drei Könige. Ich will hinzufügen, dass es auch bei Matthäus keine drei Könige gibt, sondern eine unbestimmte Zahl von Weisen oder Magiern. Auch hat Matthäus keinen Melchior mit schwarzer Hautfarbe überliefert (siehe Bibeltext oben). Der Evangelist ist also nicht als Kronzeuge geeignet, um die Aufstellung der rassistisch wahrgenommenen Krippenfigur zu fordern.

 

Dass dieser Konflikt 2020 entstand und bundesweites Aufsehen erregte, erklärt sich vor allem daraus, dass der Anteil der Menschen mit dunkler Hautfarbe in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, vor allem als Resultat globaler Migrationsbewegungen, und dass die Sensibilität dieser Menschen und auch großer Teile der Bevölkerung gegenüber rassistischen Darstellungen gewachsen ist. Die in Kamerun geborene Musikerin Siyou Isabella Ngnoubamdjum äußerte gegenüber dem „Südwestfunk“: „Ich finde die Figur verächtlich, rassistisch und in keiner Weise wertschätzend. Und selbstverständlich bin ich froh, dass es darüber endlich eine Debatte gibt. Aus meiner Sicht ist die Aufarbeitung der einzige richtige Weg.“

 

Die Schwabacher Dekanin Berthild Sachs betonte, es handle sich bei der

Geschichte bei Matthäus um eine Geschichte zum Thema Globalisierung: „Hinter der Darstellung der Heiligen Drei Könige steckt ein globaler Gedanke. Der gesamte Erdkreis, symbolisiert durch die Vertreter Asiens, Afrikas und Europas, pilgert zum neugeborenen Kind. Zudem handelt es sich bei den Vertretern um Gelehrte, Weise.“ Diese Internationalisierung müsse aber respektvoll ausgedrückt werden.

 

Wer sich mit Globalisierungsthemen beschäftigt, kann sich mit Gewinn den von weither angereisten Weisen zuwenden. Und in jedem Fall lohnt es sich, die Bibel genau zu lesen, dann vermeidet man auch die Unterstellung, die Dekan Gohl aus der Ulmer Gemeinde erreichte: „Wird die Bibel jetzt in Ulm umgeschrieben?“

 

Die Weisen als Vertreter der ganzen Menschheit

 

Nachdem Matthäus von der Geburt Jesu berichtet hatte, führte er die Weisen aus dem Morgenland in die Geschichte ein. Dass es drei waren, steht nicht im bib­li­schen Text. Das wurde in der hiesigen Tradition erst später daraus geschlossen, dass die Weisen oder Magier drei Geschenke oder genauer formuliert drei Arten von Geschen­­ken überreichten. In anderen christlichen Traditionen wird hingegen von bis zu einem Dutzend Magiern ausgegangen. Die bei uns gebräuchlichen Namen von Kaspar, Melchior und Balthasar lassen sich zuerst auf einem Mosaik in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert nachweisen. Ver­mutlich ist diese Tradition aber älter. Wie die Magier zu diesen Namen kamen, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei klären.

 

Die Geschichte von den Weisen oder Magiern gehört zu den schönen, fast märchenhaften Beschreibungen im Neuen Testament. Ist sie zu schön, um wahr zu sein? Fest steht, dass die Weisen nicht zufällig in das Evangelium des Matthäus aufgenommen wurden. „Mit den Gaben, die sie bringen, symbolisieren sie die Völker auf ihrer endzeitlichen Wallfahrt zum Zion (vgl. Jes 60, besonders 60,6)“, schreibt Professor Tobias Nicklas in einem Beitrag der Zeitschrift „Welt und Umwelt der Bibel“ (4/2007) zur „Karriere der Weisen“.

 

Wer die Vorstellung von drei Königen in das Reich der Legenden einordnet, der kann sich auf Martin Luther berufen, denn der schrieb 1522 in seiner Evangelien-Auslegung: „Diese Weissager nennt man gemeinlich die drei Könige, vielleicht nach der Zahl der drei Opfer. Das lassen wir so gelten bei den Einfältigen; denn es ist nicht viel dran gelegen. Aber es ist nicht bekannt, ob ihrer zwei, drei oder wieviel ihrer gewesen sind.“

 

Aus Magiern wurden Könige

 

In den westlichen Kirchen wurden etwa im 9. Jahrhundert die Sterndeuter und Magier zu Königen, und dafür schien es sogar einen biblischen Anknüpfungspunkt zu geben, heißt es doch bei Jesaja im 60. Kapitel, Vers 3: „Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.“

 

Vom 15. Jahr­hundert an stellten europäische Maler die Anbetungsszene mit Königen aus Asien, Afrika und Europa dar, die seit dem Mittelalter bekannten Kontinente. Über Hieronymus Bosch und Albrecht Dürer fand der „Mohr“ endgültig Eingang in die Tra­dition der heiligen drei Könige. Diese drei Könige sind heute zu Symbolen dafür geworden, dass Menschen in aller Welt Jesus nachfolgen. Und mit den „Sternsin­gern“, die von Haus zu Haus gehen und singen, um Spenden für Projekte zugunsten von Kindern im Süden der Welt zu sammeln, ist auch die Dimension des weltweiten ökumenischen Teilens in eine Tradition aufgenommen worden, die mit drei Ma­giern begann.

 

Heribert Prantl, Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“, hat in einem Rundfunkbeitrag („Glaubenssachen“, 13.3.2011) über ein heutiges Verständnis der Magier nachgedacht: „… die klassische christliche Krippe hat Figuren parat, die zeigen, wie man kulturelle Spaltung überwindet ... Es sind die Heiligen Drei Könige. Der Stattlichste, Jüngste und Schönste ist der Fremdeste – der Schwarze. Das könnte heißen: Eine Gesellschaft muss Fremdes annehmen, sich bereichern lassen können, muss offen sein für das Ungewohnte und Neue.“ Für Herbert Prantl stehen die drei Könige in einer heutigen Interpretation für Judentum, Christentum und Islam, und er zieht aus der biblischen Geschichte den Schluss: „Man findet Gott nicht im Wettlauf, nicht im religiösen Wettkampf, man findet ihn miteinander.“

 

Dass drei heidnische Magier nach Matthäus die Ersten waren, die den neugebo­renen Heiland anbeteten, kann als ein früher Hinweis darauf verstanden werden, dass sich die Botschaft von Jesus von Nazareth auch (!) an die Nichtjuden richtete. Der indische katholische Theologe Joseph Titus, der in Bangalore unterrichtet, hat dies 2009 in einem Aufsatz so hervor­gehoben: „Am Anfang von Jesu Leben brechen die trennenden Mauern zwischen den Rassen und Kulturen nieder. Diese Geschichte unterstreicht die universalistische Öffnung des Evangeliums.“

 

Der neugeborene König ist nicht im Palast zu finden

 

Die Weisen hatten vom neugeborenen König der Juden gehört, berichtet Matthäus, und waren gekommen, ihn anzubeten. Sie folgten einem Stern und gelangten nach Jerusalem, wo sie König Herodes aufsuchten und ihn fragten, wo der neuge­borene König zu finden wäre. Diese Frage an den König hatte in der Erzählung von Matthäus weit­reichende Folgen. Denn sie machte Herodes auf das neugeborene Jesuskind aufmerksam und war in der Erzählung der Anlass für einen schrecklichen Kin­dermord. Aber wir müssen über diesen Massenmord nicht erschrecken, denn die Magiergeschichte ist eine Legende, und deshalb können wir uns hier darauf beschränken, zur Kenntnis zu nehmen, dass es für den weiteren Erzählungsverlauf für Matthäus wichtig war, dass die weitgereisten Fremden am Hofe des Königs erschienen. He­rodes erschrak also „und mit ihm ganz Jerusalem“. Der König befragte Hohepriester und Schriftgelehrte, wo der Messias geboren werden sollte.

 

Dass die Weisen den neu­geborenen König in der Darstellung des Evangelisten Matthäus im Palast von König Herodes such­ten, kann nicht überraschen. Und an­gesichts der vie­len prophetischen und messianischen Bewegungen im Ju­den­tum zur Zeit des He­ro­des war es nicht unwahrscheinlich, dass dieser von den Römern eingesetzte und im Volk unbeliebte König mit der Möglichkeit der Geburt eines endzeitlichen Messias-Königs rechnete, als die Magier ihm von dem Stern erzählten, der ihnen den Weg zu dem neugeborenen König der Juden wies. Es hat innerhalb der Geschichte also eine innere Logik, dass Herodes die bedeutendsten Fachleute in religiösen Fragen her­beirief, um zu erfahren, wo dieser König geboren werden sollte.

 

Bei Matthäus ist dies Anlass für eine sehr negative Darstellung der damaligen Vertreter des Judentums. Hubertus Halbfas schreibt dazu in seinem Standardwerk „Die Bibel“ (S. 421): „Zweifelsohne ist es eine kühne Konstruktion, den ungeliebten König Herodes zusammen mit ‚allen Hohenpriestern und Schriftgelehrten’ in eine unhei­lige Front zu stellen. Diese Koalition hat nie existiert. Ebenso wenig lässt sich ‚ganz Jerusalem’ unter die Feinde Jesu einordnen. Die aufgebotene Allianz entspricht der theologischen Konzeption des Matthäus, der bereits hier das böse Spiel ansetzt, das zur Verwerfung des Messias, zu seiner Verurteilung und Hinrichtung führen wird.“

 

Die Hohepriester und Schriftgelehrten, die Herodes zurate zog, um den Geburts­­ort des neuen Königs herauszufinden, verwiesen auf Bethlehem und beriefen sich dabei auf Micha 5,1. Herodes forderte daraufhin die Weisen auf, nach Bethlehem zu reisen und dort nach dem neugeborenen Kind zu forschen. Wenn sie es gefunden hätten, sollten sie in den königlichen Palast zurückkehren, damit auch Herodes das Kind anbeten könnte. Dass die Schriftgelehrten sich nicht selbst auf den Weg machten, kann im Kontext des Matthäusevangeliums als Hinweis darauf verstanden werden, dass die religiösen Führer des eigenen Volkes kein Interesse an dem neu geborenen Messias zeigten, während heidnische Gelehrte von weither kamen, um ihn anzubeten.

 

Dass Herodes die Magier auf der kurzen Strecke nach Bethlehem nicht heimlich überwachen oder ganz offiziell begleiten ließ, sondern darauf vertraute, sie würden zu­rück­kommen und ihm von dem neuen König berich­ten, muss angesichts des übri­gen Verhaltens dieses Königs als äußerst unwahr­schein­lich angesehen werden. Wer einen derart umfassenden Sicherheits- und Spit­zelapparat aufgebaut hatte wie Herodes, der hätte sich nicht gescheut, in einer so wichtigen Angelegenheit die Magier auf den wenigen Kilometern von Jerusalem nach Bethlehem beobachten zu lassen.

Man kann diese Problematik auch diplo­ma­tischer formulieren, wie es Rudolf Pesch, katholischer Professor für Neues Testament, in seinem Buch „Die matthäischen Weihnachtsgeschichten“ getan hat: „Wieso Herodes nicht selbst nach dem Kind forscht oder seine Häscher gleich hinter den Magiern herschickt, ist eine Frage, die den Erzählduktus überfordert.“

 

Dem Stern folgen

 

Den Weisen, lesen wir bei Matthäus, erschien erneut der Stern und wies ihnen den Weg nach Bethlehem. Dieser Stern war für den Evangelisten nicht nur ein probates Mittel, um die Weisen endlich zum Jesuskind zu führen, sondern auch ein weiteres Zeichen dafür, dass hier eine bedeu­tende Per­sön­lichkeit geboren worden war. Es wurde beispielsweise erzählt, dass bei der Geburt von Alexander dem Großen eine bestimmte Konstellation der Sterne erkennen ließ, dass ein Weltherrscher geboren worden war. Mochten aber andere Sterne und Sternkonstellationen auf die zukünftigen Herrscher von Weltreichen weisen, der Stern, der über Bethlehem stand, war in der Darstellung des Evangelisten Matthäus ein unübersehbares Zeichen dafür, dass hier der Messias geboren worden war.

 

Es hat immer wieder Versuche gegeben nachzuweisen, dass zu der Zeit von Jesu Geburt tatsächlich ein Stern den Weg nach Bethlehem gewiesen hat. Aber sie sind alle gescheitert, und sie lenken auch vom Kern der Geschichte ab. Tobias Nicklas, Professor für Neues Testament an der Universität Nijmegen, schreibt dazu: „Dass die Erzählung uns nicht in erster Linie mit historischen Ereignissen konfrontieren möchte, zeigt sich schon daran, dass das Matthäusevangelium den Stern ausdrücklich als vor den Magiern von Norden nach Süden ziehenden Wunderstern (2,9) zeichnet. Dies jedoch ist astronomisch nicht denkbar.“ Für Tobias Nicklas steht der aufgehende Stern dafür, „dass der Messias-König nun eine Herrschaft antritt, die jede irdische Macht ablöst“.

 

Die Magier fanden in Bethlehem das Kind mit Maria und Josef. Sie fielen nieder, beteten das Kind an und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Einzelheiten hierzu finden Sie in einem eigenen Beitrag.

 

Dass die Weisen das Kind anbeteten, macht deutlich, dass Matthäus Jesus bereits gleich nach der Geburt als die hoffnungsvolle Alternative zu den mächtigen Königen der Welt und besonders den Herrschern des Römischen Reiches sichtbar werden zu lassen. Der reformierte Schweizer Pfarrer Hans-Joachim Kuhn, hat den Platz der Weisen in dieser Alternative zum nach damaligen Maßstäben globalen Reich der Römer 2008 in einer Predigt so gedeutet: „Die drei Könige, die drei Weisen, sind eine symbolische Form der Globalisierung. Sie sind wie ein hoffnungsvoller Gegenpol zu den machtgierigen Römern. Sie sind Boten einer hoffnungsvollen Globalisierung. Das war den Menschen damals schon früh bewusst. Darum wurden bereits früh die drei Könige auf Bildern so dargestellt, dass sie von ihrem Aussehen her die ganze damalige Welt repräsentierten.“

 

Gott befahl den Weisen im Traum, nicht zu Herodes zurückzukehren, sondern auf einem anderen Weg zurück in ihr Land zu reisen, lesen wir im Matthäusevangelium. Und das taten die Weisen dann auch. Sie kehrten in ihre Heimat zurück. Aber noch einmal gingen sie auf eine große Reise. Helena, die Mutter von Kai­ser Konstantin, im 4. Jahrhundert (um das Jahr 326) fand nach eigenem Bekunden die Gebeine der Weisen bei einer Palästinareise. Sie ließ sie ausgraben und nahm sie mit nach Kon­stan­tinopel. Von dort gelangten die Reliquien nach Mailand, wo ihnen zu Ehren die „Basilika zu den Heiligen Drei Kö­nigen“ errichtet wurde.

 

Diese Verehrung hatte ein abruptes Ende, als sich die „globalen“ Machtverhältnisse veränderten und Kaiser Barbarossa Mailand erobern und zerstören ließ. Nun wurden die Gebeine als Kriegsbeute in einer Pro­zession von Mailand nach Köln überführt. Dort tra­fen sie 1164 ein, und es wurde in drei Jahrzehnten Arbeit von Goldschmieden ein kirchenförmiger Dreikönigs­schrein aus Gold und über 1.000 Edelsteinen ge­staltet, der die Gebeine auf­nahm. Die prächtig prä­sentierten Reliquien be­grün­deten die Bedeutung Kölns als kirchlichem Zentrum Deutschlands, zu dem jedes Jahr viele Tausend Menschen pilgerten, was den wirt­schaftlichen Aufstieg der Stadt erst ermöglichte. Noch heute ruhen die Gebeine aus Palästina im Kölner Dom und werden von vielen Gläubigen verehrt.

 

Zum Beispiel: Von den Fremden lernen

 

Der bekannte evangelische Theologe Jörg Zink fordert uns in seinem Buch „Zwölf Nächte“ anhand der Ge­schich­te von den Magiern zum Umdenken im Blick auf Menschen anderen Glaubens auf: „Mir scheint, es spiegele sich in dem harten Anspruch auf die alleinige und einzige Wahrheit des christlichen Glaubens eben doch das Muster der europäischen Kolo­nial- und Industriezivilisation, die sich berufen wusste, der Welt das Heil, die Kultur, das Wissen und eben auch den Glauben beizubringen. Ich meine, wir täten gut daran, mit fremdem Wissen, fremder Erfahrung und fremden Glaubensweisen behutsamer umzugehen, ehrfürchtiger, freundlicher und weniger rechthaberisch. Wir gäben damit nicht die Wahrheit preis, wohl aber gestünden wir ein, dass die Wahrheit weder an den kirchenamtlichen Lehrsätzen zu messen sei noch an den provinziellen Maßstäben, mit denen man sich in allerlei christlichen Zirkeln der eige­nen Wichtigkeit versichert ... Was immer seit der Steinzeit an religiösem Verstehen und Erfahren geschehen ist, das geschah nicht ohne Gott. Das sagt die Ge­schichte von den Weisen aus dem Morgenland.“

 

Jörg Zink schreibt weiter über die heutige Bedeutung dieser biblischen Geschichte: „Die Magier brachten die Gaben ihres Landes. Und ich bin überzeugt, dass die Menschen der Dritten Welt uns Europäern viel bringen können, das uns neu ist und über dem wir unseren eigenen Glauben besser verste­hen können.“

 

Kehren wir zum Schluss noch einmal nach Südwestdeutschland zurück, wo heftig über den rassistisch dargestellten Melchior von Ulm diskutiert wurde. Am 8. Januar 2009 sendete der „Südwestdeutsche Rundfunk“ einen Beitrag von Altfried G. Rempe, Pastoralreferent im katholischen Bistum Trier über die Geschichte der Sterndeuter: „Eigentlich ist es die Geschichte von der Globalisierung der Liebe … Die Welt – das sagt diese Geschichte – die Welt kommt und wirft sich nieder vor dem Menschensohn. Weil die Welt jetzt weiß, woher das Licht und die Liebe auch für sie kommt.“

 

© Frank Kürschner-Pelkmann